Alpine Fototechnik (alpine photo technique)

 

 

Fototechnik für die Berge

 

 

Vorbemerkung: Auch wir werden an dieser Stelle (für Fotografen und Fotografinnen) keine letztverbindlichen Tipps geben, wie es ganz genau funktioniert bzw. nicht. Denn es gibt keine solchen Antworten. Bekanntlich ist das Leben insgesamt „Einstein“, weil es immer auf den Bezugspunkt ankommt und auf die Rahmenbedingungen, die man nolens volens zu beachten hat.

Gleichwohl gibt es schon auf der technischen Seite wertvolle Erkenntnisse und aus der Praxis hilfreiche Erfahrungen, die sehr nützlich sein können. Oft weiß man nicht, wie es konkret klappen könnte. Wenn man jedoch berücksichtigen darf, was auf keinen Fall in Betracht kommt, weil man z.B. das unvermeidbare Gewicht gar nicht schleppen kann, ist das bei der Entscheidungsfindung zumindest ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung.

 

Was sind also die relevanten Gesichtspunkte?

Fotos macht jede Knipse. Eine gewisse Mindestqualität, die uns möglichst viele Optionen offen lässt, ist aber eine Grundvoraussetzung, um zu guten Ergebnissen zu gelangen. Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Also achten wir auf ein robustes Gehäuse, das einiges im Outdoorbereich verträgt, auf eine geeignete, gute Optik mit hoher Auflösung und dass alle für die aktive Steuerung erforderlichen Schalter und Knöpfe zweckdienlich erreichbar sind. Und zwar auch mit etwas klobigeren Handschuhen im Winter.

Ohne Strom geht heute nix mehr. Batterien machen in der Kälte schneller schlapp als Akkus. Auf jeden Fall sollte man die Stromreserve so großzügig bemessen, dass unterwegs nix passieren kann.

Die dogmatische Frage, ob eine Spiegelreflex, eine spiegellose Systemkamera mit elektronischem Sucher, eine Bridgekamera oder eine Kompakte das Richtige ist, lässt sich nicht abstrakt beantworten. Alles kann prinzipiell verwendet und kombiniert werden.

Wer als Bergsteiger in einer Wand am Seil hängt und mit beiden Händen nach Griffen sucht, wird wohl kaum aus dem Rucksack eine große DSLR entnehmen können, um damit „das Bild“ zu machen. Mit einer “Kleinen” in der Brusttasche geht das jedoch besser; aber man muss dabei wissen, wo die Chancen und die Grenzen liegen.

Hingegen fotografieren wir ein Spiegelpanorama am stillen See, der die Berge im Abendlicht reflektiert, natürlich am besten mit der “Großen” auf einem Stativ, das wir ohnehin stets im Auto liegen haben.

 

Von oben

Luftaufnahmen erledigen heute die Drohnen in erstaunlicher Qualität. Aber auch die haben – zumal in den Bergen – Grenzen, und sie sind nicht überall zugelassen.

Wer aus einem Kleinflugzeug oder Helikopter fotografieren will, sollte möglichst keine störenden Scheiben vor sich haben, was wiederum bedingt, dass man Türen und Fenster aushängen, öffnen oder wegklappen kann, um freie Sicht zu haben.

Ein mittleres Zoomobjektiv, z.B. 24-105 mm Brennweite (KB-Format), ist eine taugliche „Allzweckwaffe“, mit der man gut zurecht kommt. Einen Objektivwechsel im Flieger sollte man möglichst vermeiden.

Belichtet wird mit kurzer Zeit, um Verwacklungen auszuschließen. Um die Schärfentiefe braucht man sich eher weniger Sorgen zu machen.

Die Belichtung jedoch ausschließlich der Kameraautomatik zu überlassen, ist manchmal gefährlich, weil bekanntlich viel Himmel, tiefer Schatten, Schnee und Gletscher den Belichtungsmesser täuschen. Besser ist oft eine manuelle Nachführung, die man nur dann anpasst, wenn sich erkennbar die Lichtverhältnisse verändern. Das sieht man dann im Sucher.

Kleidung: In einer Höhe von über 3000 oder gar 4000 Metern bei offenem Fester mit rund 200 km/h Geschwindigkeit unterwegs zu sein, kann sehr kalt werden, sodass man sich entsprechend mit Anorak, Schal und Mütze (und Sonnenbrille) präpariert, um nicht einzufrieren oder sich gar eine Lungenentzündung zu holen. Die Kamera hält das, solange keine Frostgefahr droht, ohne weiteres aus. Man muss sie allerdings stets sehr fest in den Händen halten.

In Ballonen und Luftschiffen gelingen Luftaufnahmen hingegen deutlich problemloser, und man hat alle Zeit der Welt, sich auf das Motiv einzustellen. Denn man fliegt ja damit nicht, sondern man „fährt“. Das ist physikalisch etwas ganz anderes. Ballöner legen großen Wert darauf, dass der Unterschied verstanden wird. Wer also die Gelegenheit bekommt, einmal mitfahren zu dürfen, der sollte auf keinen Fall die Kamera vergessen.

Bezüglich der Bildgestaltungs-Regeln gilt grundsätzlich nichts anderes als sonst auch. Die Herausforderung besteht jedoch darin, aus der Perspektive „von oben“ in einem stets zweidimensionalen Bild die dritte Dimension wirksam zur Geltung zu bringen.

Jenseits der bloßen Doku kann man mit Natur und Landschaft ggf. auch kreativ spielen. Geometrische Formen, Farbkompositionen und die unterschiedlichen Lichtverhältnisse lassen sich im Sucher vielfältig kombinieren und zu ungewöhnlichen Sichtweisen zusammenstellen.

Vergessen wir dabei aber den Betrachter nicht, der stets Orientierung und Wiedererkennungspunkte braucht, um sich zurechtzufinden. Sonst werden Luftbilder schnell zu “Luftnummern”, irgendwo verloren in Raum und Zeit.

 

Was fasziniert uns häufig am meisten an Bergbildern und worauf achten die BildbandfotografInnen?

Es ist fast immer der erste Blick, der entscheidet. Das handwerklich Gute in Kombination mit einem Schuss Besonderem, was dann „gut“ zu „außergewöhnlich“ werden lässt, das die anderen nicht mit im Bild haben.

Viele betreiben dafür einen hohen technischen Aufwand, aber das muss nicht sein. Keep it simple! Das gilt auch für die bekannten Highlights, die schon millionenfach abgelichtet wurden (wie die Dreizinnen) und die wir auch sofort im Bild wiedererkennen.

Eine etwas andere, spannendere Perspektive mit anderer Brennweite mag schon genügen und/oder in Kombination mit einem gefühlt „speziellen“ Licht. Das muss man dann halt sehen, denn die Kamera sieht es alleine (noch) nicht.

Um ein Beispiel in der Architekturfotografie heranzuziehen: Ich habe im Limburger Dom die Cam, mit einem 17er WW bestückt, an einer geometrisch exponierten Stelle einfach mal auf den Boden gelegt und mit dem Intervallmodus (10 Sekunden, um aus dem Bild zu verschwinden) eine manuell vorgegebene Aufnahme gemacht. Und siehe da, so habe ich die romanischen Strukturelemente der Kirche noch nie zuvor abgelichtet gesehen.

 

Panoramafotografie

Die funktioniert – mit einer Gitterscheibe – heute so gut wie problemlos, meist aus der Hand, und den Rest erledigt in der Regel Adobe Lightroom fast alleine. Als ich noch – in Analogien – Diapanoramen fotografieren und anschließend passgenau rahmen musste, war alles noch viel komplizierter.

Mit einem Stativ geht es natürlich noch deutlich bequemer und verlässlicher. Eine gesonderte Panorama-Vorkehrung mit Nodalpunkt (das non plus ultra) ist hingegen etwas für die absoluten Freaks, die keine Kompromisse eingehen wollen.

Wir fotografieren stets im RAW-Format, dass uns alle Optionen in der Nachbearbeitung belässt, und zwar im Zweifel – schon um keine stürzenden Linien in Kauf nehmen zu müssen – ein Hochkant-Pano. Wer will, kann auch Belichtungsreihen aufnehmen, um am Rechner ein HDRI-Pano zusammenzurechnen, was aber sehr aufwändig ist.

 

HDRI-Bilder

sind heute ebenso problemlos möglich, wobei die Kamera für mehrere deckungsgleiche Aufnahmen am besten auf ein Stativ gestellt wird. Das lohnt immer dann, wenn uns die Kontraste keine andere Alternative lassen, weil der herkömmliche Dynamikumfang eines Sensors überfordert ist.

In der Bergfotografie kommt das sogar ziemlich häufig vor. Wer beispielsweise in der Aare-Schlucht in Meiringen (Berner Oberland) technisch ansprechende Klamm-Fotos machen will, der sollte sich der HDRI-Technik bedienen.

 

Fazit

Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Bergfotografie ist wie die Fotografie im Allgemeinen keine Hexerei, sondern meistens Handwerk.

Fotografische Kunstwerke entstehen immer dann, wenn – wie der Sternekoch in der Küche – der Fotograf noch etwas Eigenes hinzufügt, das aus einem technisch guten Bild eine künstlerische Schöpfung werden lässt. Das mag eine besondere Perspektive auf einem Gipfel oder in einer Wand + ein besonderes Licht zum Sonnenaufgang oder sun after + eine spezielle Brennweite + ein gut ausgesuchter Bildausschnitt + eine passende Art der Belichtung (z.B. Langzeitaufnahmen von Wasserfällen mit Graufilter) + etc. sein. Der Phantasie sind hier immer noch keine Grenzen gesetzt.

Und was man nicht in einem einzigen Bild einfangen kann, dass gelingt vielleicht einer Bildsequenz. In der Präsentation sind solche Geschichten, vom Fotografen live kommentiert, ein Mittel, bei den Zuschauern eine Spannung aufzubauen, die einen Vortrag zu einem richtigen Event werden lässt.

Wir wünschen Euch solche Events und für Eure diesbezüglichen Unternehmungen viel Erfolg.

Noch wichtiger ist allerdings: Kommt stets heil und gesund zurück. Kein Foto ist es wert, ein zu hohes Risiko einzugehen. Auch das darf man nie aus dem Auge verlieren.

Herzlichst

Robert Bauer und Hermann Oberhofer

 

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A Trial of an English Translation

 

Preliminary remarks: At this point, we will not give any last-minute tips on how it works exactly or not. Because there are no such answers. As you know, life as a whole is “Einstein” because it always depends on the reference point and on the general conditions that one has to pay attention to.

Nevertheless, there are valuable insights on the technical side and helpful practical experience that can be very useful. Often you do not know how it could actually work. However, if one may take into account what is by no means an option, because the inevitable weight can not be dragged, that is at least an essential step in the right direction in the decision-making process.

So what are the relevant aspects?

Every snap camera takes pictures. However, a certain minimum quality, which leaves as many options as possible open to us, is a basic prerequisite for achieving good results. A chain is only as strong as its weakest link.

So we pay attention to a sturdy body, which can handle a lot in the outdoor area, a suitable, good optics with high resolution and and we focus on all switches and buttons necessary for the active control are expediently attainable. They must be operated in wintertime with gloves as well.

Nowadays, there is almost nothing working without electricity. In any case, the power reserve should be so generous that there will be no shortage en route. Rechargeable batteries work faster and longer than traditional batteries in the cold.

The dogmatic question of whether a DSLR, a mirrorless system camera with electronic viewfinder, a bridge camera or a compact camera is the right one, can not be answered abstractly. Everything can be used and combined in principle.

Someone who hangs himself in a wall usually using both hands for climbing holds or fixing the rope will hardly be able to remove from the backpack a large DSLR in order to make “the ultimate picture”. Hence, a little camera in a breast pocket can do that much better; but one has to know what the opportunities and the limits are.

On the other hand, in order to photograph a panorama of the quiet mirror lake reflecting the mountains at sunrise we of course prefer the big snd heavy DSLR fixed on a tripod that we always store in our car.

From above

Nowadays, aerial photography can be done by drones in amazing quality. But even those – especially in the mountains – have borders, and they are not allowed everywhere.

If you want to photograph from a small plane or a helicopter, you should avoid having any disturbing windows, which in turn means that you can unhook doors, open windows or fold them down to have a clear view.

A middle zoom lens, e.g. 24-105 mm focal length (full format), is a suitable “all-purpose weapon”, with which one copes well. Since a lens change in the plane should be avoided as possible.

A short exposure time avoids camera shakes. To get the depth of field you need to worry less.

However, leaving the exposure exclusively to the automatic camera system is sometimes dangerous because, as we know, a lot of sky, deep shadows, bright light refelected by snow and glaciers deceive the metering. Often a manual tracking is better, which should be adjusted if the lighting conditions change noticeably. This can be observed in the viewfinder.

In balloons and airships aerial photography is much easier, since you have all the time of the world to adapt to the subject. The reason why is the story behind. Ballooners attach great importance that passengers understand the physical difference between flying an airplane and flying a hot air balloon. In any case, if you have the lucky chance to do that, don’t forget your camera!

Clothing: Flying at an altitude of 3000 or even 4000 meters with open window at speeds of around 200 km / h can get very cold. So prepare yourself with anorak, scarf and cap (plus sunglasses) so that you do not freeze or even get pneumonia. As long as there is no risk of frost, the camera will get through without any problem. But you always have to hold it very tightly in your hands.

With regard to the image design rules, basically nothing else applies. The challenge, however, is to effectively bring out the third dimension from the perspective “from above” in an always two-dimensional image.

Beyond the mere documentary, you can also play creatively with nature and landscape. Geometrical shapes, color compositions and the different light conditions can be combined in the viewfinder in many ways and put together to unusual perspectives.

But let us not forget the viewer, who always needs orientation and recognition points in order to find his bearings. Otherwise, aerial photographs quickly become lost somewhere in space and time.

What fascinates us most about mountain pictures and what do photographers pay attention to?

It is almost always the first view that decides. Solid craftsmanship in combination with a dash of something special, which then turns “well done” to “extraordinary “, can make the difference to what other photographers do not show in their pictures.

Many photographers make a high technical effort, but that is not always necessary. Keep it simple! This also applies to the well-known highlights, which have already been shot millions of times (like the Dreizinnen) and which we immediately recognize in a picture.

A slightly different, more exciting perspective with a different focal length may be just sufficient and / or in combination with a felt “special” light. You have to see that, because the camera does not recognize it by itsself (not yet).

To take an example in the architectural photography: In Limburg Cathedral, I placed my Cam, equipped with a 17 mm lens, on a geometrically exposed point just on the floor. The exposure was done by  the cam’s self-timer (10 seconds) plus a manual adjustment to overvote the automatic metering. The result was impressive. I have never seen similar Romanesque structural elements of the church pictured before.

Panoramic Photography

This works – with a grid disk – today as well as easily, usually out of hand, and the rest  is done by Adobe Lightroom almost automatically. When I still had to take analog pictures for a Diapanorama and then frame them perfectly, everything was even more complicated.

With a tripod, of course, it is even more comfortable and reliable. A separate panorama arrangement with nodal point (the non plus ultra), however, is something to be uused by the absolute freaks who do not want to compromise.

We always take photographs in RAW format leaving us with all the options in post-production. In case of doubt – to avoid falling lines – we make an upright pano. If you want, you can also take bracketing to put together an HDRI pano on the computer, which is very time-consuming.

HDRI images

are just as easily possible today, the camera is best placed on a tripod for several congruent shots. This is always worthwhile if the contrasts leave us no other alternative because the conventional dynamic range of a sensor is overwhelmed.

HDRI is quite common in mountain photography. For example, those who want to take technically appealing gorge photos in the famous Aare Gorge in Meiringen (Bernese Oberland) should make use of HDRI technology.

Conclusion

To sum up, mountain photography like photography in general is not witchcraft but mostly craft.

Photographic works of art always arise – as the stars cook does in the kitchen – when the photographer adds something of his own personality that transforms a technically sound image into an artistic creation. This may be a particular perspective on a summit or in a wall + a special light at sunrise or sun after + a special focal length + a well chosen image detail + an appropriate type of exposure (for example long term recordings of waterfalls with gray filters) + etc. There are still no limits to the imagination here.

What one can not capture in a single shot that could perhaps be acchieved by a sequence of pictures. In the presentation, such stories commented on live by the photographer are a means to build a tension among the audience that turns a presentation into a real event.

We wish you such events and success in your endeavors.

More importantly though: always come back safe and sound. No photo is worth taking too much risk. You should never lose sight of that either.

Sincerely

Robert Bauer and Hermann Oberhofer